Qualzuchten – Leid für die Optik

Die süßen, kleinen Beine eines Dackels, die lieblichen Augen des Chihuahuas, der stupsnasige Mops – solche Merkmale machen bestimmte Hunderassen bei vielen Menschen beliebt. Doch hinter diesen niedlichen Merkmalen steckt für die Tiere großes Leid. Qualzuchten sind weit verbreitet und für viele Menschen ganz ‘normal’, für die betroffenen Tiere jedoch, stellen sie eine enorme Belastung dar!

Was bedeutet der Begriff „Qualzucht“?

Von Qualzuchten spricht man, wenn bei Tieren gezielt bestimmte Körpermerkmale hochgezüchtet, also hervorgehoben werden, wobei es zu erheblichen gesundheitlichen Problemen kommt. Die Tiere leiden ihr Leben lang unter den Folgen solch einer Zucht – und das nur, damit sie durch bestimmte optische Merkmale beliebter bei uns Menschen werden. Qualzuchten sind nach § 11b des deutschen Tierschutzgesetzes zwar verboten, da das Gesetz diese jedoch nicht rechtlich bindend konkretisiert und es im Falle einer Klage immer auf die Auslegung der Gerichte ankommt, sind sie trotz Verbot weit verbreitet.

Warum gibt es Qualzuchten?

1. Tiere als Statussymbol

Auch, wenn die gesundheitlichen Folgen für die Tiere enorm sind, sind sie bei den Menschen sehr beliebt. In diesem Fall scheint das Aussehen der Tiere dem Menschen wichtiger zu sein als ihre Gesundheit. Sie werden daher so gezüchtet, dass sie oftmals besonders niedlich aussehen, um für mehr Menschen ansprechend zu sein. Es sei an  dieser Stelle gesagt, dass vielen dabei gar nicht wirklich bewusst ist, wie extrem die Tiere unter ihren angezüchteten ‘Schönheitsmerkmalen’ leiden. Social Media spielt in diesem Zusammenhang keine unbedeutende Rolle. Die hübschen, niedlichen Tiere eignen sich perfekt, um dort Aufmerksamkeit zu gewinnen. Es sind die schönen und süßen Tiere, die viele sehen wollen, wodurch sie oft viele Aufrufe und Fans erzielen – die Popularität von Qualzuchten steigt dadurch immer weiter.

2. Tiere als Geldeinnahmequelle

Insbesondere bei Nutztieren führen auch wirtschaftliche Interessen zu Qualzuchten. Sie werden möglichst ‘wirtschaftlich’ gezüchtet. Kühe sollen beispielsweise so viel Milch, wie möglich produzieren, Schweine werden auf schnelles Muskelwachstum gezüchtet oder Hühner darauf, bis zu 100x mehr Eier jährlich zu legen. Zudem werden sie angepasst an möglichst wirtschaftliche Haltungs- und Fütterungsbedingungen, wobei artgerechte Haltung hintendran steht.

Qualzucht Hühner als Geldeinnahme

Inwiefern können Qualzuchten gefährlich sein?

Qualzuchten gehen mit derart gesundheitlichen Belastungen einher, dass sie nicht selten zu einem frühzeitigen Tod der Tiere führen. Dabei gibt es verschiedenste Auswirkungen auf die Gesundheit – von Atemnot über Gelenkprobleme bis hin zu einem erhöhten Krebsrisiko uvm. Die Züchtungen zielen häufig auf bestimmte Veränderungen von Körperteilen aus, wie zum Beispiel kurzen Beinen oder einer platt aussehenden/ kurzen Nase. Oftmals entstehen so Fehlbildungen, beispielsweise der Wirbelsäule oder des Kiefers. Neben den physischen, teils tödlichen Folgen, treten auch psychische Probleme auf. Viele der betroffenen Tiere leiden unter Verhaltensstörungen, die die Lebensqualität von Tier und Halter einschränken und mit denen die Besitzer der Tiere auf Dauer überfordert sein können. Die Veränderung des Aussehens birgt für die Tiere jedoch noch ein ganz anderes Problem: Durch die optischen Unterschiede können selbst Artgenossen nicht mehr erkennen, wer ihnen gegenübersteht – So kommt es zu Kommunikationsschwierigkeiten und unnötigen Konflikten.

Qualzucht Mops kurze Schnauze (Brachzephalie) und Faltigkeit

Welche Hunderassen sind offiziell von Qualzucht betroffen?

  • Mops (gekürzte Schnauze / Kurzköpfigkeit)
  • Französische Bulldogge (Kurzköpfigkeit)
  • Boxer (Kurzköpfigkeit, Hüftgelenksdysplasie)
  • Dackel (Zwergwuchs und damit einhergehende Probleme)
  • Labrador Retriever (gesundheitsschädliche Fellfarbe (“Merle-Syndrom”))
  • Pudel (Patellaluxation (Verlagerung der Kniescheibe) meist bei kleineren Pudeln)
  • Yorkshire Terrier (Patellaluxation und nicht selten zu Untergewicht)
  • Australien Shepherd (gesundheitsschädliche Fellfarbe (“Merle-Syndrom”))
  • Rottweiler (Augenerkrankung Entropium, Hüftgelenksdysplasie)
  • Chihuahua (verschiedene gesundheitliche Probleme durch Zwergenhaftigkeit, häufig krankhafte Erweiterung der Flüssigkeitsräume des Gehirns)

Neben den hier aufgelisteten Hunderassen gibt es noch weitere Hunderassen und auch einige andere Tierarten, wie Kaninchen, Fische, Reptilien oder Katzen, bei denen ebenfalls Qualzuchten existieren.

Qualzucht Corgi Zwergwuchs, langer Rücken und zu kurze Beine

Woran kannst du eine Qualzucht erkennen?

Folgende Qualzuchten lassen sich bei Hunden meist an körperlichen Merkmalen erkennen:

  • Blue Dog Syndrom: Hunde mit angezüchtet blauschwarzem oder grausilbrigem Fell leiden unter einem Mangel an Pigmenten. Dieser führt häufig zu Hautproblemen, Blindheit, Taubheit, einer Schwächung des Immunsystems oder auch Leber-, Nieren und Magenproblemen.
  • Brachzephalie (Kurzköpfigkeit): Hunde, die davon betroffen sind haben eine verkürzte Mundpartei und eine Verengung der Nasenlöcher, des Rachens und der Luftröhre. Daher haben sie extreme Atemprobleme, die bei manchen ohne eine Operation zum Tod führen würden. Die wohl bekannteste hiervon betroffene Hunderasse sind Möpse.
  • Faltige Haut: Falten in der Haut werden bei vielen Hunden extra angezüchtet, doch aufgrund der Bakterien, die sich in den Falten leicht ansammeln, kommt es schnell zu Hautproblemen, Entzündungen und Infektionen.
  • Haarlosigkeit: Haben Hunde kein oder wenig Fell, reagieren sie empfindlicher auf äußere Einflüsse wie Niederschlag und extreme Temperaturen. Sie haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, Krebs zu bekommen oder sich zu verletzen, da ihre Haut ungeschützt ist.
  • Langer Rücken: Werden die Rücken der Hunde zu lang gezüchtet, sind Folgen häufig Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfälle und eine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit.
  • Merle-Syndrom: Durch eine genetische Mutation wird die Farbe Merle erzeugt, die für fleckige Farbaufhellungen im Fell führt, wodurch dieses einen gesprenkelten oder marmorierten Look bekommt. Die Farbe bewirkt, dass das Eumelanin, welches für eine schwarze Fellfärbung verantwortlich ist, stark reduziert wird, was zu Blindheit oder Taubheit führen kann, da Eumelanin wichtig für die Ausbildung der Seh- und Hörsinneszellen ist.

Qualzucht Australien Shepherd Merle-Syndrom

Warum du keinen Hund aus Qualzucht kaufen solltest:

Wenn du dir einen Hund anschaffen möchtest, solltest du definitiv darauf achten, einem Qualzucht nicht zu unterstützen. Die erste Priorität bei der Haustierwahl sollte nicht das Aussehen, sondern die Gesundheit deines Vierbeiners sein. Jeder, der aus Unwissenheit oder Priorisierung der Optik eine Qualzucht kauft, unterstützt damit das Leid dieser Tiere. Wir bitten jeden und appellieren an den gesunden Menschenverstand, auf anderem Wege einen Begleiter zu finden, der zu einem passt und ohne dauerhaft oder auf lange Sicht zu leiden ein wundervolles Leben verbringen kann.

Hier ist das TOC-Skript von Schnipsel

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